Sonntag, 19. August 2018

Staechelin Kopfbalken 024

Faszination Marmor

Steinbruch-04

Marmor - der Stein und seine Geschichte.

Nun aber zur Geschichte Marmor. Über den edlen Marmor mit seiner faszinierenden Ausstrahlung ist im Verlaufe der Jahrhunderte viel berichtet und geschrieben worden. Über die Gewinnung vor Ort und die weitere vielfältige Verarbeitung ebenfalls. Dies ist auch verständlich, wenn man weiss, dass die Marmor-Industrie als die älteste aller heute noch bestehenden Industrien bezeichnet wird.

Mit Recht, blickt diese doch auf eine wechselvolle Geschichte während über 2'000 Jahren zurück. Die Marmorförderung wurde zwar nicht immer mit der gleichen Intensität betrieben, denn Kriege unterbrachen Frieden, Armut folgte auf Reichtum, selbst Modeströmungen beeinflussten jeweils die Beliebtheit des Marmors, sei dies wegen einer bestimmten Färbung oder gar einer Provenienz.

Eines ist aber sicher, während all diesen Jahrhunderten wurde an allen Marmor-Lagerstätten die Gewinnung unterschiedlich forciert, jedoch nie gänzlich eingestellt.

Das Allerwichtigste soll hier festgehalten sein. Das Wissen um den Marmor, seine Förderung, die Bearbeitung und der Transport wurde stets von den Steinbrechern, Sägern, Steinhauern, Schleifern, Ornamentisten und Bildhauern weitergegeben. Sie gaben ihr Wissen von Generation zu Generation weiter, vom Vater zum Sohn, ja innerhalb einer Dorfgemeinschaft, so dass die jahrhundertelange Erfahrung auch in Zeiten des Nichtgefragtseins nie verloren ging.

Als Erste brachen und bearbeiteten die Griechen den einmaligen, den reichen Leuten und dem Tempelbau vorbehaltenen Naturstein Marmor, der, wenn richtig verwendet, seine Schönheit über Jahrhunderte bewahrt.

Dass diese Aussage zutrifft, beweisen die archäologischen Ausgrabungen von Städten und Tempelanlagen der Antike. Statuen der Götter Griechenlands und Roms: Zeus-Jupiter, Aphrodite-Venus, Artemis-Diana, Demeter-Ceres, Hermes- Merkur, Athene-Minerva, Hera-Juno usw. um nur einige zu nennen. Gegenstände des täglichen Lebens, Häuser, Tempel, ja ganze Prachtstrassen aus Marmor gefertigt oder gebaut kamen in einmaliger Schönheit an das Tageslicht, wie dies zum Beispiel in Aphrodisias und Ephesus geschah.


Steinbruch-18

In allen Epochen von Prunk, Glanz und Wohlstand war der Marmor öffentliches Zeugnis des Reichtums und auch der Macht.

Etwa hundert Jahre vor unserer Zeitrechnung, zur Blütezeit der römischen Kultur, wurde der griechische weisse Marmor durch solchen aus den Apuanischen Alpen ersetzt. Zu dieser Zeit entstand die Niederlassung Luni.

Wenn man von Carrara aus auf der Via Aurelia in Richtung Norden gegen Sarzana fährt, diese dann in Richtung Meer verlässt, stösst man schon nach ein paar hundert Metern in der Ebene, inmitten von Feldern, Wiesen und Rebbergen auf Ruinenreste wie Amphitheater, wenige Häuser, Speicher und Strassen, findet Umrisse von Tempeln, aber auch spärliche Überreste einer hochmittelalterlichen Kathedrale sowie ein recht interessantes Museum. Und weil zur damaligen Zeit das Meer etwa zwei Kilometer weiter in das Land hinein reichte, findet man hier im ehemaligen Mündungsgebiet des Flusses Magra noch Reste von Hafenanlagen, an denen Ruder- und Segelschiffe mit Marmor, aber auch mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen für den Transport beladen wurden. Man weiss, dass Käse aus dieser Gegend die Mondsichel als Kenn- oder Markenzeichen eingekerbt hatten: Mond italienisch Luna, daraus wurde Luni.

Und dieser weisse Marmi di Luni aus den Apuanischen Alpen verdrängte nun immer mehr denjenigen aus Griechenland. Im ganzen Mittelmeerraum wurden einmalige Tempelanlagen, Grabdenkmäler, Statuen, prächtige Paläste mit diesem edlen Material geschaffen. Zeugnisse dieser Zeit sind - um nur einige zu erwähnen - in Rom das Pantheon (erbaut von Agrippa im Jahr 26 v. Chr.), die Cestiuspyramide, der Tempel des palatinischen Apoll, der Konkordiatempel, das Forum des Traian, die Traiansäule, der mächtige Bogen des Domitian. Diese Baudenkmäler wurden alle in den ersten 150 Jahren n.Chr. errichtet.

Dass schon zu dieser Zeit Leute die Unsitte der Kritzeleien an Fassaden, Toreingängen, Statuen und Friesen anwandten - heute werden solche Leute Sprayer genannt -, diese sogar weit verbreitet war, ist bekannt durch die Ausgrabungen in der römischen Stadt Pompeji, die durch einen Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahre 79 unter einem Aschenregen begraben wurde. Die ausgrabenden Archäologen entdeckten nämlich an den Hauswänden Anschriften wie Wahlkampfsprüche, lockende Verkaufsangebote, Versprechen für die Wiederbeschaffung gestohlener Wertgegenstände gegen Belohnung sowie Anzüglichkeiten. So beklagte sich ein Mann darüber, dass er wohl eine Venus besitze, doch diese leider nur aus Marmor sei.


Steinbruch-08

Der Marmor aus Luni war also in der Zeit zwischen den römischen Kaisern Vespasian (69 - 79) und Commodus (180 - 192) der meistgebrauchte. Erst in der Regierungszeit von Kaiser Septimus Severus (193 - 211) gewann der Marmor aus Griechenland wieder an Bedeutung, eine Bewegung zurück zur griechischen Kultur war entstanden.

Als das mächtige Imperium Romanum (Römisches Reich), das unter Kaiser Trajan (98 - 117) seine grösste Ausdehnung hatte, langsam seinem Ende entgegen ging, wurden auch die Mittel für den Wohnungs- und Städtebau knapp, vor allem war kein Geld für exklusive Bauten aus teurem Marmor vorhanden. Als zu Ehren des Kaisers Konstantin der Grosse (306 - 337) im Jahre 315 der dreitorige Konstantinsbogen errichtet wurde, verwendeten die Baumeister bereits unter anderem auch gebrauchten Marmor, das heisst, es wurden ältere Reliefs aus früheren Kaiserzeiten mitverwendet. Dass diese wirtschaftliche Entwicklung auch weitreichende Folgen für die lunesische Marmorindustrie hatte war gegeben. - Die Stadt Luni geriet in Vergessenheit.

Später entstand unweit eine neue Siedlung, erst Luni Nova, dann Sergiana genannt. Die Stadt wurde 1204 Bischofsitz. Sarzana (heutiger Name) ist der Geburtsort von Tommaso Parentucelli (1397), der anno 1447 Papst wurde. Nikolaus V. gilt als der erste Renaissance-Papst (bis 1455). Er krönte 1452 Friedrich III. zum Kaiser, musste 1453 die Eroberung von Konstantinopel durch die Türken erleben und ist Gründer der Vatikanischen Bibliothek. - Sarzana besitzt einen Dom aus weissem Marmor, ein hervorragendes Zeugnis der gotischen Baukunst um die Mitte des 14. Jahrhunderts.

Auch im Mittelalter, also der Zeit nach der Antike, wurde die Marmorförderung in den Brüchen der Apuanischen Alpen nicht gänzlich eingestellt, diente aber mehr oder weniger nur noch den Städten der näheren Umgebung und der Kirche. Erst der Untergang des Mittelalters zu Beginn des 15. Jahrhunderts brachte dem Marmor wieder einen Aufschwung, der schöne Stein mit dem einmaligen und aristokratischen Charakter war endlich wieder gefragt.

Unterdessen waren aber die einst guten Strassen der Römer verfallen, der Transport der tonnenschweren Blöcke war auf dem Landweg unmöglich geworden. - Nur die Stadt Carrara verfügte im Flüsschen Carrione über einen kleinen Hafen mit geeigneten Verlademöglichkeiten für Blöcke, Platten, Säulen und Statuen. Der Marmor aus Carrara, wie er nun genannt wurde, konnte wieder ausgeführt werden. Die Marmorindustrie in den Apuanischen Alpen erlebte endlich wieder einen Aufschwung, der Export in immer weiter entferntere Städte Italiens und Europas erfolgte.


Vom 14. Jahrhundert an entstanden neben den Brüchen bei Carrara auch Steinbrüche in der Versilia, Garfagnana und Seravezza.

Der Künstler und Bildhauer Michelangelo kam selbst immer wieder nach Carrara, er wohnte in einem Haus beim Dom, um Blöcke für seine grandiosen Skulpturen auszusuchen. "Ich sehe sie, sie stecken schon im Berg drin, ich muss sie nur noch herausholen", soll er einmal gesagt haben. Dass sein Marmor vom Berg Altissimo oberhalb Pietrasanta in der Alta Versilia sei wurde später widerlegt. Den Statuario(Statuenmarmor) für seine einmaligen und alle Betrachter in Bann ziehenden bildhauerischen Werke soll Michelangelo aus den Brüchen zwischen Torano und Gioia bei Carrara haben. Den Block für den in Florenz stehenden David aus Colonnata.

Die Marmorlager oder -becken in den triassischen Kalken und Dolomiten erstrecken sich fast durch das ganze Gebiet der Apuanischen Alpen. Die Reinheit, Färbung, Zeichnung usw., dann auch die Örtlichkeit und vor allem die Realisation des Transportes des Marmors war bestimmend für einen Abbau.

Erst ab dem 17. Jahrhundert wurden in den Bergen um Massa Brüche aufgetan und erfolgreich Marmor abgebaut. Und seit dem 19. Jahrhundert hat der Marmor aus den Apuanischen Alpen - wegen seiner faszinierenden Schönheit - die ganze Welt erobert.

Erfahren Sie mehr über den Abbau und den Transport



Beim Breitenstein 20 · DE-79588 Efringen-Kirchen · Telefon +49 7628 28 72 · E-Mail info@staechelin.de
© 2018 Granit-Marmorwerk Stächelin GmbH. Der Inhalt dieser Website ist urheberrecht­lich geschützt und dient lediglich zu Informations­zwecken ohne Rechts­verbindlich­keit.
19.08.2018
19:30 Uhr MESZ